Annalea, 30 jährig, Ärztin, vor vier Jahren zum Ausdauersport gelangt. In ihrem Alltag versucht sie die beiden Leidenschaften Beruf und Sport miteinander zu verbinden.

  1. Personal Trainer, Coaching, Trainingsplanung, Online Trainer und Activ Apps sind in der aktuellen Fitnesswelle Schlagwörter die man fast schon überall lesen kann. Was hat Dich dazu bewegt, ein strukturiertes Trainingsprogramm zu suchen?

Ich bin über das Rennradfahren zum Ausdauersport gelangt. Mit einer unbändigen Freude fuhr ich damals ohne Aufbau Passtouren und Radmarathons, dass mir Hören und Sehen verging. Brennende Beine und schwindende Energien waren gängige Probleme. Hintergrundinformationen zur Trainingslehre halfen mir im Alltag ebenso wenig wie konkrete, vorgefertigte Tipps oder Pläne da sie nicht auf mich zugeschnitten waren und da keine Verbindlichkeit bestand. Das Coachingprogramm von Berninasport erwies sich rasch als für mich optimales Format.

  1. Könntest du uns mit wenigen Worten ein Bild vermitteln, wie ein Coaching Programm funktioniert?

Bevor ein Coaching Programm gestartet wird, stellt sich die Frage der gemeinsamen Basis für eine Zusammenarbeit. Dies wird in einem Erstgespräch angeschaut. Entsteht eine Zusammenarbeit, so werden Ziele definiert und man einigt sich auf ein geeignetes Format der Planung. In meinem Fall sind dies aktuell Wochenpläne. Nach einer groben Vorbesprechung werden meine Einheiten jeweils von Felix in der XPS Network Software geplant, sodass ich sie einsehen und bei Bedarf anpassen kann. Alle Trainings werden via Pulsuhr mit GPS aufgezeichnet. Dies und meine angefügten Notizen werden von Felix ausgewertet und wir besprechen uns ungefähr wöchentlich via Mail, Skype oder im Winter im Berninasport Shop bzw. auf der Loipe.

 

  1. Kannst Du konkret definieren, was Du durch das Coaching anders machst als wenn Du diese Beratung nicht hättest?

Ich trainiere strukturiert/polarisiert, räume der Regeneration mehr Gewicht ein, verpflege mich besser und bereite mich anders auf Wettkämpfe vor.

 

Im Rahmen des polarisierten Trainings spielen sich bei mir die meisten Trainingseinheiten im Grundlagenbereich ab. Dies bedeutet: Tiefe Intensität, langsames Tempo, tiefer Puls. Anfangs war dies schwierig für mich denn spontan gehen wir es alle „zu heftig“ an und haben dann zu wenig Energie es ab und zu „richtig heftig“ anzugehen. Dadurch verbrauchen wir uns und kommen nicht weiter. Ich musste zuerst lernen ausreichend langsam radzufahren, ausreichend langsam zu joggen und ausreichend langsam langzulaufen. Diese lockeren Einheiten, welche ich enorm zu schätzen gelernt habe, waren zuvor kaum Teil meines Trainings.

 

Für die Fusslaufeinheiten haben wir bei Berninasport das Caminar-Correr Prinzip, d.h. wir joggen wo es flach ist und gehen wo es steil ist. Auf diese Weise können wir den Puls in den gewünschten Zonen halten, können die Einheit als Grundlageneinheit oder als intensive Einheit gestalten. Ich habe auf diese Weise die schönsten Orte und Täler im Engadin erkundet und konnte meinen Trainingszustand trotz einer Unterarmfraktur verbessern. Zuvor hätte ich dieselben Touren gemacht, sie jedoch in der Trainingswoche nicht optimal platziert und die Pulszonen ausser Acht gelassen.

 

  1. Im allgemeinen Volksmund wird einem Trainingsplan nachgesagt, dass er die Gefahr birgt, einem die Freude am Sport zu nehmen. Ein Plan wird mit einem Müssen gleichgesetzt. Stimmt das?

Das hängt von den Planenden und vom Plan ab! So trainiert z.b. mein Kollege Philipp/ Triathlet (betreut ebenfalls durch Bernina Sport) mit Prioritätenplänen und entscheidet dabei selbst wann er welche Einheit trainiert. Ich bin von Prioritätenplänen zu „Freestyle mit Regeln“ zu Wochenplänen übergegangen. Im Format Wochenplan habe ich nichts zu überlegen da alles fix geplant ist, was sich für mich als grosse Erleichterung erwies. Somit muss die Art des Plans zum Athleten und zur aktuellen Phase passen. Unabhängig davon kann ich als Athletin aber nur erfolgreich und glücklich mit einem Plan arbeiten wenn er aus der Zusammenarbeit entsteht. So muss mein Coach wissen wo ich stehe und wie mein Alltag aussieht, ich muss meine Wünsche anbringen können und darauf vertrauen, dass mein Coach fachkompetent ist und es manchmal besser weiss als ich.

 

In meinem Fall hat die Planung die Freude am Sport gesteigert da nicht nur die Leistung sondern auch das körperliche Wohlbefinden und die gefühlte Bewegungsqualität verbessert wurden. Die Planung ermöglicht mir nun ausgedehnte Radtouren mit Bergläufen und kurzen, heftigen Trainingswettkämpfen zu kombinieren, nach einer umfangreicheren Trainingswoche mit teilweise über zwanzig Trainingsstunden beschwerdefrei unterwegs zu sein, usw.

 

  1. Planung wird auch gleich mit Leistungssport in Verbindung gebracht. Ist die Trainingsplanung wirklich nur ein Instrument für die „Profis“?

Ich würde sagen eine Trainingsplanung kann ein sinnvolles Instrument für Menschen sein, die sich im Ausdauersport weiterentwickeln möchten. Der Leistungsgedanke muss dabei nicht im Vordergrund stehen. Eben so wenig ist ein gewisses Ausgangsniveau oder ein grosses Zeitbudget erforderlich. Klar erforderlich ist jedoch ein motivierter Athlet denn das Zugpferd ist stets der Athlet.

 

 

Bernina Sport dankt Annalea für die offenen Worten und wünscht Ihr noch ganz viele sportliche Höhenflüge.