Curdi Perl am Albulapass

Curdin Perl am Albulapass

Nach dem Wetter kann man nicht meinen das es Sommer wäre und trotzdem schreibt der Kalender schon August. Für den Langlaufprofi Curdin Perl bedeutet es die Langlaufski mit anderen Trainingsformen zu ersetzen, um sich auf die nächste Wintersaison vorbereiten zu können. Ein sehr beliebtes Trainingsgerät für die Langläufer sind die Skiroller mit denen man langlaufend den Sommer verbringen kann. Bernina Sport stellt daher einige Fragen an den Welcupathleten Curdin Perl und seinen Trainer Felix Dieter. Vor allem soll geklärt werden, ob dass Rollskilaufen nur für die Spitze geeignet ist oder macht es auch Sinn für den ambitionierteren Hobbysportler.

 

 

 

Bernina Sport (BS): Curdin, was macht ein Langlaufprofi im Sommer?

Curdin Perl (CP): Trainieren, schlafen, essen und nochmals trainieren. Die Sommerzeit ist sehr trainingsbetont. Hier geht es darum, sich in den vorgenommenen Punkten zu verbessern, sich mehr Kraft und Ausdauer anzueignen, schneller und explosiver zu werden. Der Ablauf ist ziemlich einfach, aber sehr individuell und hört nie auf. Es geht vom globalen zum spezifischen. Das heisst, zum Beispiel  man trainiert zuerst die Power im Kraftraum und im Anschluss setzt man sie auf den Rollskiern um. Im Sommer bestimmt Krafttraining, Fusslauf, Rollski und das Bike unseren Alltag. Ich trainiere längere, ruhige  Einheiten  für meine aerobe Basis, aber auch intensivere um meine anaerobe Fähigkeiten weiter zu verbessern. Neben dem speziellen Kraftprogramm mit Hanteln und Maschinen verbringe ich viel Zeit mit den Rollskis um meine spezifische  Kraftausdauer zu stärken. Das Gute am Langläufer zu sein ist, dass wir unser Volumentraining im Sommer bei den besten Bedingungen machen können.

Felix DIETER (FD): Im Sommer wird der Langläufer gemacht, sagt ein altes Sprichwort. Ich kann dem nur zustimmen. Langlauf ist eine Ausdauersportart oder noch besser gesagt eine Kraftausdauersportart. Der Hobbysportler kann also aus der ganzen Palette von Ausdauersportarten auswählen, um sich für den Winter vorzubereiten. Wichtig ist, und das meine ich ernsthaft, dass er überhaupt regelmässig trainiert und nicht in erster Linie was er trainiert. Je nach den Zielen müssen dann langlaufspezifische Trainingsmethoden eingestreut werden. Fusslauf mit Stöcken und Rollskitraining sind absolute Top – Methoden um sich als Langläufer zu verbessern.

Curdin Perl im Sommertraining

Curdin Perl im Sommertraining

BS: Kannst Du uns dein Rollskitraining bestreiben?

CP: Klar, zuerst schau ich was geplant ist. Das heisst, ist es ein langes Ausdauertraining von 2½ bis 3 Stunden, ein Intervalltraining, eine Kraftausdauereinheit oder sogar ein Sprinttraining geplant. Für das Ausdauertraining wähle ich ein moderates Tempo und baue eventuell einige Steigerungssprints für die Abwechslung ein. Beim Intervalltraining laufe ich mich richtig gut ein, konzentriere mich auf meine Technik und stelle mich mental auf die bevorstehende Aufgabe ein. Die Intervalleinheit sieht dann zum Beispiel an diesem Tag wie folgt aus: 4 mal 15 Minuten im Pulsbereich 85 – 90% von meinem maximalen Puls mit drei Minuten Erholung zwischen den Blöcken.

Wiederum bei einer Kraftausdauereinheit stosse ich nur mit den Armen  einen Bergpass hoch. Wie ihr seht trainiere ich mit den Rollski verschiedene Reize und natürlich beide Techniken.

FD: Beim Rollski laufen bedient man ein Sportgerät, das man erlernen muss. Da stellt sich für einen Hobbyläufer  die  Frage nach Aufwand und Ertrag. Rollski ist für mich unumstritten eines der wichtigsten Trainingsinstrumente für einen Langläufer. Wo der Schnitt gemacht werden soll, für wenn es geeignet ist oder nicht, ist abhängig von den Möglichkeiten die man zum Rollskilaufen in  seiner Umgebung hat und der verfügbaren Zeit fürs Training. Wer Rollskiern will, soll es regelmässig machen. Es empfiehlt sich auf Velowegen oder auf wenig befahrenen Nebenstrassen zu trainieren. In der Schweiz existieren zwei spezielle Rollskibahnen. Die eine befindet sich in Realp und die andere in  Lantsch auf der Lenzerheide.

Mein Tipp für das Rollskitraining für einen ambitionierten Hobbyläufer ist, vor allem die spezielle Kraftausdauer zu trainieren. So kann man auf einer sehr kurzen Strecke zum Beispiel 50 – 60 Minuten stossen gehen. Dazu braucht man die Rollski nicht grossartig zu beherrschen und man kann es sogar im Herbst auf einer beleuchteten Quartierstrasse ausführen. Wer wirklich Freude am Rollskilaufen findet, soll auch einige seiner Ausdauertrainings damit absolvieren. Für die intensiven Trainings, um sich wirklich richtig auszulasten, braucht es viel Üben auf den „rollenden Ski“ und es ist nebstdem auch nicht ungefährlich auf der Strasse.

BS:  Wie sieht deine Rollskiausrüstung aus?

CP: Es gibt spezielle Rollski für Klassisch und Skating. Die Schuhe sind die Langlaufschuh vom Winter. Ich benütze langsamere Rollen fürs Training und habe auch schnellere für Wettkämpfe oder Highspeedtraining. Stöcke benütze ich auch die gleichen wie im Winter, ausser das ich sie mit einer speziellen Stockspitze (mit gehärteter Metallspitze) bestücke. Ich fahre auch immer mit Helm und gegen die Blasen in den Händen ziehe ich Handschuhe an.

FD: Für den ersten Versuch kann man sogar Knie – und Ellenbogenschoner anziehen. Die Kosten für ein Paar mit Bindung montierte Rollski`s liegen rund bei Fr. 350.-/400. Ich empfehle keine Kombirollski (für klassisch/skating) zu kaufen, die sind meistens zum klassisch laufen sehr instabil. Für das erste Armstosstraining kann man ja auch seine „alten“ Inlineschuhe anziehen und ausprobieren…

Tipp: benützt immer scharfe Stockspitzen, denn es verdirbt einem den Spass, wenn die Stöcke wegrutschen.

spezielle gehärtete Stockspitzen

spezielle gehärtete Stockspitze

 

Bernina Sport: Wir danken euch für das Gespräch!